Geschichtliche Entwicklung des Kautschuks

Nach der Entdeckung Amerikas wird von springenden Bällen berichtet. Im 16. Jahrhundert berichten spanische Forschungsreisende über das Beschichten von Kleidungsstücken, Hüten und Schuhen mit einem Baumharz, um diese Kleidungsstücke wasserdicht zu machen. Die erste wissenschaftliche Arbeit wird 1736 von dem Franzosen De La Condamine angeregt, der anlälich einer Expedition zur Vermessung von geographischen Längengraden in Ecuador Proben des Baumharzes "Heve" an die Akademie in Paris schickt. Er berichtet dabei, dass die Indianer dieses Harz zur Herstellung von Fackeln verwenden. Außerdem werden aus diesem Harz Flüsigkeitsbehälter gefertigt, wofür irdene Formlinge als Tauchformen dienen.

1770 verwendet der englische Chemiker Priestley "Indian-Rubber" als Radiergummi und entdeckt die Löslichkeit des Kautschuks in benzin.
1823 fertigt die Firma Mackintosh/Glasgow industriell Doppelstoffe, welche zu Regenbekleidungen etc. verarbeitet werden.
1829 wird die erste deutsche Gummiwarenfabrik in Finsterwalde gegründet.

1832 entdeckt der deutsche Chemiker Lüdersdorff, dass durch Beimischung von Schwefel der Kautschuk bessere Eigenschaften erhält.
1839 wird diese Entdeckung von Charles Goodyear wieder gemacht, und durch anschließende Erwärmung erzielt er erste "elastische Produkte". Diese Kenntnis wird von ihm auch industriell ausgewertet.
1849 erfindet Nelson Goodyear "Hartgummi" (erreicht wird dieses Ziel durch Beimengung von etwa 50% Schwefelanteilen).
1876 gelingt es Henry Wickham, 70000 Samenkapseln aus Brasilien nach England zu schmuggeln, dort in Gewächshäusern zu züchten und die Setzlinge auf ceylon anzuzpflanzen. Durch die Einrichtung von Plantagen, die später auch in Siam, Indochina und Niederländisch-Indien begründet werden, wird das bisherige brasilianische Latex-Monopol gebrochen. Die Bedeutung des Plantagenkautschucks wird durch folgende statistische Verbraucherzahlen untermauert:
1895 - Gesamtverbrauch 20000 t
1905 - Gesamtverbrauch 62000 t (davon 150 t Plantagen-K)
1915 - Gesamtverbrauch 158700 t (davon 107900 t Plantagen-K)
1925 - Gesamtverbrauch 482000 t (davon 452000 t Plantagen-K)
1930 - spielt Wildkautschuk praktisch überhaupt keine Rolle mehr.

Erzeugung und Aufbereitung des Latex
Durch Einschneiden der Baumrinde und dem anschließenden Auffangen der austretenden Latexmilch wird Naturkautschuk gewonnen. Die Tropfdauer beträgt etwa 3 Stunden. Der tägliche Ertrag liegt bei 4-5 Jahre alten Bäumen bei ca. 1-1,5 g bei 7-8 Jahre alten Bäumen bei ca. 2-2,5 g bei 10-11 Jahre alten Bäumen bei ca. 7-10 g bei besonders gezüchteten Typen eventuell bis 30 g. Nach dem Einsammeln erfolgt die Koagulation (Haupthandelstypen: Smoked Sheets und Crepe).


Aufbereitung
 
1909 gelingt dem Chemiker Hofmann die Synthese von Kautschuk. Im 1. Weltkrieg wird in Deutschland vorwiegend Methylkautschuk erzeugt und verarbeitet.
 
1926 wird durch die IG-Farben Buna (Butadien/Natrium) erzeugt. Ausgangsstoffe sind Kohle und Kalk. Durch Polymerisation werden die Typen Buna N (Perbuan), speziell ölfest, und Buna S, für hohe Temperaturen, gewonnen.
1828 gelingt Du Pont in Amerika die Fertigung von Chloroprene-Kautschuk, der unter dem Namen Neoprene verkauft wird. Für spezielle Zwecke werden noch Thiokautschuk und Oppanol (thermoplastisch) verwendet. Weitere Kautschuktypen erhalten erst nach dem 2. Weltkrieg größere Einsatzmöglichkeiten, wie Butylkautschuk, Butadien/Styrol, Siliconkautschuk, Acrylkautschuk, EPDM, Viton, Urethan und Hypalon.